Bald ist es endlich so weit, JoBerg2C beginnt in einer Woche und Sally (AWOL Tours Chefin) und ich (Meike, Tour Guide und Sales) sind bereit für die große Herausforderung. Team “Going AWOL” hat einen langen Weg mit viel Freud und manchmal auch Leid hinter sich, um fit genug für dieses große Event zu werden.

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Für viele Mountainbiker ist JoBerg2C das beliebteste, wenn auch das längste, Etappenrennen in Südafrika. Es ist eine herausfordernde Reise durch die spektakuläre Landschaft von drei Provinzen, 900km und 9 Tage lang, und mit fast 12,000 Höhenmetern. Die erste Etappe startet 50km außerhalb von Johannesburg. Nachdem die Mountainbiker den Stadtlärm hinter sich gelassen haben, geht es durch das trockene Grasland und die Maisfelder des Free States über die Drakensberge hinab nach Kwa-Zulu Natal, wieder hoch in den Nebel des Kamberg und wieder runter in das berüchtigte Umkomaas Tal. Das Rennen endet an der Küste südlich von Durban.

Table Mountain Ride

Die Idee, an JoBerg2C teilzunehmen kam schon letztes Jahr auf. Wir haben das Rennen im Fernsehen verfolgt, da einige Jungs aus unserem Nightrider Club mitgemacht haben. Erst war es nur Spaß, aber dann dachten wir, wenn nicht jetzt wann dann. Und Schwupps, schon war Team “Going AWOL” angemeldet. Es war erst Juni, also hatten wir ja noch 10 Monate Zeit zum trainieren. Wir hatten beide keine Ahnung, wie viel Zeit und Nerven die Vorbereitung für JoBerg2C kosten würde. Freunde und Familie mussten wegen des Trainings manchmal hinten anstehen, und auch unsere Chefin-und-Angestellte-Beziehung wurde mehrmals auf eine harte Probe gestellt.

Fun on Attakwas (2)

Vor einigen Jahren hatte Sally mal mit dem Gedanken gespielt, das Cape Epic Mountainbiking Race zu machen oder den Comrades zu laufen, aber die Stunden die man trainieren muss haben sie abgeschreckt. Sie hatte gerade erst AWOL Tours gestartet, dann kam die Hochzeit, das Haus und die Kinder – es war einfach nie der richtige Zeitpunkt. Bis Sally’s Mann Leif die Fistball Association of South Africa gegründet hat, der erste Faustball Club im Land. Seine Mannschaft nahm letztet Jahr an der International World Fistball Championship in Argentinien teil, und er schlug vor dass Sally im Gegenzug JoBerg2C machen solle. So war es also beschlossene Sache!

Sally and her sister on W2W

Im November habe ich an Wines2Whales teilgenommen, meinem ersten Etappenrennen. Bei diesem dreitägigen Mountainbike Event wurden Sally und ihre Schwester zweite bei den Frauen, und ich wurde etwas nervös weil Sally so viel fitter war als ich. Ich wusste dass ich viel trampeln musste um im April mit ihr mithalten zu können. Ende Dezember war ich nach den Weihnachtsfeiertagen nicht so gut in Form und ziemlich deprimiert weil meine technischen Fähigkeiten gleich Null waren.

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Vor allem steinige Singletrails und Switchbacks waren ein großes Problem für mich. Um besser zu werden, haben Sally und ich an Trainings mit einem Profi teilgenommen. Am Anfang hat es mich echt viel Überwindung gekostet, einfach über diese dummen Felsen zu rollen, und meine Technik wurde nicht besser. Dann habe ich auch noch bei einer Radfahrt von der Waterfront aus über den Signal Hill und Tafelberg nach Hause schlapp gemacht, und war nun richtig mit mir selbst frustriert. Als ich ein kleines Mädchen war hab ich mit Barbies um mich geschmissen wenn ich wütend war, heute ist es mein Mountainbike das vor lauter Frustration schon mal im Busch landet. Mein Freund und Sally können das bezeugen… Aber sich aufzuregen bringt nichts, kostet nur Energie und die brauch ich ja zum radeln.

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Unsere Trainerin schlug vor dass wir unsere Anmeldung als Team splitten und lieber beide als Solofahrer mitmachen sollten. Das hat mich ziemlich hart getroffen und ich war wütend auf Sally und unseren Coach und enttäuscht von mir selber. Daraufhin hab ich mit viel Zeit und Geduld alleine auf Singletrails trainiert, und siehe da, es wurde tatsächlich besser. Nach einem weiteren Training hatte ich mich so sehr verbessert dass unser Coach meinte, wir sollten das Geld für die Änderung zur Solo-Anmeldung sparen und lieber in mein Training investieren. Ich war ziemlich erleichtert, denn ich wollte wirklich nicht 900km ohne Teampartner radeln. Nach einer ordentlichen Portion Switchback-Coaching war mein Selbstvertrauen wieder da.

Argus Party

Am Tag des Argus (Cape Town Cycle Tour) haben Sally und ich unsere eigenen Erwartungen bei weitem übertroffen. Sally hat die 109km in 3:58h auf ihrem Mountainbike geschafft, und ich habe mit dem Rennrad 3:27h geschafft. Das war ein Grund zu feiern! Dann hatten wir uns vorgenommen, an einem Tag die Tygerberg Mountain Biking Trails in Durbanville zu erobern, die fast nur aus Singletrails bestehen. Wir haben 78km und 2000 Höhenmeter gemeistert, und hatten einen riesen Spaß dabei. Das gab dem Teamgeist für “Going AWOL” ziemlichen Auftrieb.

Sally in Durbanville

Nach dem Osterwochenende sind wir mit Kollegen auf Tour gegangen, um neue off-road Radrouten für unsere Kunden auszutesten. Das kam uns als Ausdauertraining sehr gelegen und wir wollten eine Route von Montagu bis George über den Attakwaskloof Pass finden, um das mit unserer bestehenden Garden Route off-road Tour zu verbinden. Es war ein fantastischer Trip und Sally und ich waren mittlerweile fast synchron. Aber eine Sache fasziniert mich an Sally sehr: je steiler der Anstieg, desto schneller wird sie! Und mit steil meine ich so steil, dass die Fahrradkette im kleinsten Gang anfängt zu weinen. Es ist einfach unmöglich, mit Sally mitzuhalten, was für eine Maschine!

Team Going AWOL on Attakwaskloof

Die Menge an Training für solch ein Event ist unglaublich. Abgesehen von der körperlichen Vorbereitung spielt die mentale Vorbereitung auch eine wichtige Rolle. Ich denke das was man am meisten für so ein Vorhaben benötigt ist ein starker Wille (und ein Mountainbike, natürlich). Das ganze Abenteuer ist auch ziemlich kostspielig, das Rad muss repariert und vorbereitet werden, man braucht die richtige Kleidung, Radlerhosen, Fahrradschuhe, Handschuhe, neuer Helm, neue Reifen, komplett neue Gangschaltung, den richtigen Rucksack, das richtige Navigationsgerät, warme Kleidung, Schlafsack, Flüge, Transfer… das muss alles geplant und bezahlt werden.

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Manchmal sind wir um 4 Uhr morgens aufgestanden, um zum wattbiken zu gehen oder mit dem Rad zur Waterfront zu fahren. Gott sei Dank konnten wir einige Kunden für Mountainbike Touren und Tafelbergwanderungen begeistern und so das Training in die Arbeit einbauen. Fit sein ist die eine Sache, aber gesund und ohne Verletzungen zu bleiben ist eine andere. Wir haben beide unseren persönlichen “Muti” um gesund zu bleiben: Ein Löffel Honig und ein Kurzer Jägermeister jeden Abend vor dem ins Bett gehen. Sally hat sich erst vor 2 Tagen die Routenprofile etwas genauer angesehen und ist nun nervös, da sie jetzt erst realisiert hat dass einige Tage über 120km lang sind und 2200 Höhenmeter haben. Sie ist nie länger als 109km an einem Stück gefahren. Ich weiß aber, dass sie sich ganz bestimmt keine Sorgen machen muss.

Fun on Attakwas

Jetzt ist es noch genau eine Woche bis zum Start. Komme was wolle, die AWOL Girls werden eine super gute Zeit bei JoBerg2C haben und es besteht kein Zweifel, dass wir fit genug sind um über die Ziellinie zu fahren. We are ready to Rock’n’Roll!